Sanierung

Das historische Noldehaus

Nolde

Denkmalgerechte Modernisierung und technische Ertüchtigung des Wohn- und Atelierhauses Seebüll 2020/2021

Nolde
Das von Emil Nolde selbst entworfene Wohn- und Atelierhaus Seebüll ist eines der herausragenden Künstlerhäuser der Moderne. Auf der Suche nach unberührter Natur stoßen Ada und Emil Nolde 1926 auf die Warft Seebüll. 1927 beginnt Nolde mit dem Bau des Ateliers. Anschließend entsteht das Wohnhaus, durch eine Garage mit dem Atelier verbunden. Gleichzeitig legt Nolde den Garten an. 1937 wird in einem letzten Schritt das Atelier um den Bildersaal, für Nolde die „Erfüllung eines Lebenswunsches“, aufgestockt.
In ihrem Testament verfügen Ada und Emil Nolde, dass das Gesamtkunstwerk nach ihrem Tod der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dafür wurden nach 1956 zahlreiche Umbaumaßnahmen durchgeführt. Als Museum hat das Haus Seebüll in mehr als sechs Jahrzehnten über vier Millionen Gäste empfangen. Dem Gebäude ist anzumerken, dass es für einen derart großen Besucherstrom nicht konstruiert war. Es bedarf einer grundlegenden, behutsamen und denkmalgerechten Sanierung unter Berücksichtigung einer angemessenen Barrierefreiheit.
Es gilt, das Gesamtkunstwerk Seebüll zeitgemäß weiterzuentwickeln, entsprechend der von Nolde vorgesehenen Nutzung als Museum. Die besondere Atmosphäre dieses Hauses, das private Ambiente und eine intime Begegnung mit der Kunst und der Lebenswelt Emil Noldes wollen bewahrt und geschützt werden.

ARCHITEKTUR
Ende 2018 fiel die Wahl des Kuratoriums der Nolde Stiftung Seebüll, beraten von unabhängigen Experten, auf das Hamburger Büro Kirsch Bremer artandarchitecture (mit Elke Seipp Architektur in der Entwurfsphase). Das architektonische und innenarchitektonische Konzept überzeugt durch die Wertschätzung für den Bestand und neue Impulse.
Grundlage ist das Sichtbar- und Spürbarmachen der ursprünglichen Entwurfsidee von Ada und Emil Nolde für das Wohn- und Atelierhaus. Die von Nolde 1927 skizzierte Wegführung durch den Garten führt die Warft hinauf zum Ankunftsbereich auf der Ostseite. Der Weg verbindet den Garten mit diesem zentralen Zwischenraum und betont die für Ada und Emil Nolde wesentliche Gleichwertigkeit von Innen- und Außenraum, die Verwobenheit von Haus und Garten. Der von Nolde im Einklang mit der nordfriesischen Baukultur geplante dreiteilige Aufbau mit Atelier, Garage und Wohnbereich wird wieder hergestellt. Der zweigeschossige Rücksprung in der Ost-Fassade wird rekonstruiert und dort der neue Eingang zum Museum geschaffen. Die großzügige Diele macht die Geometrie des Wohntraktes mit seinen nach dem Sonnenstand ausgerichteten Räumen erlebbar. Im Zuge der Restaurierung wird ein zeitgemäßes Ausstellungskonzept mit klarer Besucherführung durch dieses komplexe Raumgefüge entwickelt.

DENKMALPFLEGE Die denkmalpflegerische Haltung von Kirsch Bremer äußert sich in der Absicht, die Atelier- und Wohnatmosphäre zu Lebzeiten von Ada und Emil Nolde wieder greifbar zu machen. Soweit es mit der Nutzung als Ausstellungsgebäude vereinbar ist, wird der bauzeitliche Zustand wiederhergestellt. Das Gebäude wird auf seine ursprünglichen Proportionen zurückgeführt. Die Silhouette der Zisterne und der beiden Schornsteine wird rekonstruiert. Noldes Farbkonzept für den Wohntrakt wird gemäß der Fassung von 1937 aufgegriffen. Es verdeutlicht ebenso wie die funktionale Geometrie der Wohnräume Noldes Anlehnung an die Architektursprache des Neuen Bauens. Die räumlichen Proportionen und Lichtverhältnisse in Noldes Atelier werden wieder hergestellt. Der Bildersaal hat seine historische Authentizität bewahrt und bleibt in seiner jetzigen Form und Funktion erhalten.
Im Sinne von Ada und Emil Nolde findet auch zukünftig der „suchende, geistige Wanderer aus allen Landen“ in Seebüll mit der Kunst, im Garten und in der einmaligen Landschaft Nordfrieslands „etwas Glück u. künstlerisch-geistige Erholung“.

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