63. JAHRESAUSSTELLUNG 2019

Nolde

63. Jahresausstellung 2019
EMIL NOLDE – „DIE MENSCHEN SIND MEINE BILDER“

Kabinett: Die Keramik des Malers

Nolde

Die 63. Jahresausstellung auf Seebüll widmet sich intensiv der Darstellung des Menschen in Emil Noldes Werk. Insgesamt rund 120 Werke, viele davon erstmal in der Öffentlichkeit zu sehen, geben im Wohn- und Atelierhaus Seebüll einen Einblick in das vielfältige Werk. Zu den Höhepunkten zählt die Schenkung eines Gemäldes aus dem Spätwerk: „Kleine Sonnenblumen“, 1946. Ein Kabinett mit 33 Stücken ist der Keramik des Malers gewidmet. Es ist die letzte Gelegenheit, das Haus im gegenwärtigen Zustand zu sehen. Für das Jahr 2020 bereitet die Nolde Stiftung Seebüll die denkmalgerechte Modernisierung und technische Ertüchtigung des Wohn- und Atelierhauses Seebüll vor.

In Emil Noldes umfangreichen Œuvre nehmen – neben den Werken mit Blumen, Landschaften und Meeren – Bilder mit Menschen und Figuren einen bedeutenden Stellenwert ein. Sie finden sich über alle Gattungen hinweg in Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und der Druckgraphik, und dies von Anbeginn seines künstlerischen Schaffens an. Nolde selbst betont die Wichtigkeit dieses Werkkomplexes mehrfach in seinen Schriften und Briefen: „Die Menschen sind meine Bilder“, schreibt er in seiner Autobiographie.

Emil Nolde ist kein Bildnismaler im eigentlichen Sinn. Das rein Abbildhafte war ihm nicht wichtig. Die Bilder zeigen den Blick des Künstlers auf die dargestellten Menschen, sie offenbaren, wie er sie erlebt und vor allem empfindet. In seiner Darstellung dringt er hinter die Oberfläche und porträtiert ebenso den Charakter wie die Wesenseigenschaften seiner Modelle. Die Bilder erzählen von zwischenmenschlichen Begegnungen und familiären Erlebnissen, von der Spannung zwischen den Geschlechtern, insbesondere aber von Gefühlen wie Liebe, Begierde, Angst, Erstaunen, Neugier.

Noldes Figurenbilder verweisen auf die grundsätzlichen Gegebenheiten der menschlichen Existenz. In ihnen liegen die Wurzeln seines Schaffens, sie sind gesehene Natur, umgesetzt, verwandelt, teils geträumt, gesteigert, immer aber erlebbares, lebendiges Gegenüber. Wenn Nolde in seiner Autobiographie schreibt: „Die Menschen sind meine Bilder. Lachet, jubelt, weinet, oder seid glücklich, ihr seid meine Bilder, und der Klang Eurer Stimme, das Wesen Eurer Charaktere in aller Verschiedenheit, Ihr seid dem Maler Farben“, dann, so Dr. Christian Ring, Direktor der Nolde Stiftung Seebüll, „stellt er uns Menschen in all unserer Verschiedenheit in das Zentrum seiner Kunst und zwar so, dass die Bilder bzw. die dargestellten Gefühle noch heute als Identifikationsangebot gelten können und wir uns darin wiederfinden. Ein schöneres Geschenk kann uns ein großartiger Künstler wie Emil Nolde nicht machen.“

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Erleben und Entdecken!

Dr. Christian Ring
Direktor der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde

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