BIOGRAPHIE

biographie

Nolde

BIOGRAPHIE

Nolde
1867–1884
Am 7. August 1867 wird Emil Nolde, eigentlich Emil Hansen, als vierter Sohn des Bauern Niels Hansen und seiner Frau Hanna Christine in Nolde, nahe Tondern, im deutsch-dänischen Grenzland geboren.
1884–1888
Mit 17 Jahren beginnt Emil Hansen eine Lehre als Holzbildhauer und Zeichner in der Sauermannschen Möbelfabrik und Schnitzschule in Flensburg.
1888–1891
Während seiner Wanderjahre arbeitet Emil Hansen als Schnitzer in Möbelfabriken in München und Karlsruhe, wo er auch die Kunstgewerbeschule besucht und heimlich die Aktklasse belegt. 1890 findet er eine Anstellung in einer Berliner Möbelfabrik, dort ist er bis zum Tod seines Vaters tätig.
1892–1897
Hansen wird Fachlehrer für gewerbliches Zeichnen und Modellieren am Industrie- und Gewerbemuseum in St. Gallen. Es entstehen erste Landschaftsaquarelle und Zeichnungen. 1894 beginnt er eine Folge grotesker Darstellungen der Berggipfel in Sagengestalt, die er in hoher Auflage als „Bergpostkarten“ drucken lässt. Der finanzielle Erfolg ermöglicht es ihm, seine Stellung aufzugeben und freier Maler zu werden.
1898–1900
Die Münchner Akademie unter Franz Stuck lehnt ihn ab. Er besucht die Malschule von Friedrich Fehr, danach wechselt er an die Hölzel-Schule in Dachau. 1899 reist er nach Paris, besucht die Akademie Julian und betreibt eigene Studien im Louvre.
1901–1902
Den Sommer verbringt Hansen im Fischerdorf Lild Strand an der Nordküste Jütlands. Dort entstehen eine Folge phantastischer Zeichnungen mit Strandläufern, Nachtwandlern und seltsamen Naturwesen. Er pflegt einen regen Briefwechsel mit der jungen dänischen Schauspielerin Ada Vilstrup, die er im Februar 1902 heiratet. Im Zuge der Heirat legt er den Namen Hansen ab und benennt sich nach seinem Geburtsort Nolde. Das Ehepaar lebt zunächst in Berlin und während der Sommerwochen in Jütland. Im Herbst ziehen sie nach Flensburg.
1903–1905
Die Sommermonate verbringen Ada und Emil Nolde auf der Insel Alsen. Im Winter leben sie in Berlin. Die finanzielle Not ist groß. In seinem Bretteratelier am Strand von Alsen malt Nolde unter anderem das berühmte Gemälde „Frühling im Zimmer“. Nach einem gesundheitlichen Zusammenbruch von Ada, ermöglichen Freunde dem Paar 1904/05 einen 6-monatigen Aufenthalt in Italien. Im Herbst 1905 entsteht die Radierfolge der „Phantasien“.
1906–1909
Bis Ende 1907 ist Nolde Mitglied der Künstlergruppe „Brücke“ und begegnet in Berlin Edvard Munch. 1908 besucht er seinen Freund Hans Fehr in Cospeda bei Jena, wo er die Technik des Aquarellierens für sich entdeckt. Er wird Mitglied der Berliner Secession. 1909 entstehen im Fischerdorf Ruttebüll, nahe der Nordsee, die ersten religiösen Bilder: „Abendmahl“, „Pfingsten“ und „Verspottung“.
1910–1912
In Hamburg, Essen, Jena und Hagen finden größere Ausstellungen statt. Es entstehen Bilder vom Hamburger Hafen und Nolde besucht James Ensor in Ostende. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Präsidenten der Berliner Secession Max Liebermann, wird Nolde aus der Gruppe ausgeschlossen und tritt der „Neuen Secession“ bei. Bilder vom Berliner Nachtleben, Theaterzeichnungen und Studien im Völkerkunde-Museum entstehen. 1911/12 malt Nolde sein Hauptwerk: das neunteilige Werk „Das Leben Christi“.
1913–1914
Das Ehepaar Nolde reist als Mitglied der „Medizinisch-demographischen Deutsch-Neuguinea-Expedition“ über Moskau, Sibirien, Korea, Japan und China bis in die Südsee.
1915–1925
Im Jahr 1915 entstehen auf Alsen 88 Gemälde, darunter Bilder nach Skizzen aus der Südsee und religiöse Motive wie die „Grablegung“. 1916 zieht das Paar nach Utenwarf an der Westküste. Auf der Hallig Hooge entsteht 1919 eine Folge phantastischer Aquarelle. Im gleichen Jahr wird Nolde Mitglied im Arbeitsrat für Kunst in Berlin. 1920 kommt Nordschleswig mit Utenwarf zu Dänemark. Nolde wird dänischer Staatsbürger. 1921 reist er nach Paris, England, Spanien und Zürich. Die Monographie von Max Sauerlandt erscheint. 1924 zieht es Nolde nach Venedig, Rapallo, Arezzo und Wien.
1926–1932
Nolde verlässt Utenwarf und beginnt nach eigenen Entwürfen den Bau des Wohnhauses Seebüll. Als erstes wird das Atelier (1927) errichtet. Später lässt Nolde auf der sogenannten „Werkstatt“ ein Obergeschoss setzen: den Bildersaal (1937). Zum 60. Geburtstag des Künstlers eröffnet eine „Jubiläumsausstellung“ in Dresden, die anschließend nach Hamburg, Kiel, Essen und Wiesbaden wandert. Die Christian-Albrechts-Universität Kiel ernennt Nolde zum Ehrendoktor. Zugleich wird der zweite Band von Schieflers Graphikkatalog veröffentlicht. Der Bau eines Hauses in Berlin-Dahlem, nach Plänen von Mies van der Rohe, scheitert an den Finanzen. Im Sommer 1930 besucht Nolde die Insel Sylt, wo er sich mit dem jüdischen Ehepaar Turgel anfreundet. 1931 wird Nolde Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Der erste Band der Autobiographie „Das eigene Leben“ wird veröffentlicht.
1933–1945
Nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 hofft Nolde, dass sich die Befürworter seiner Kunst innerhalb der neuen Regierung durchsetzen werden. Nolde nimmt als Ehrengast Heinrich Himmlers am Festakt aus Anlass des zehnten Jahrestages des Hitler-Putsches in München teil. Im August 1934 bekräftigt Nolde durch die Mitunterzeichnung des „Aufrufs der Kulturschaffenden“ seine Unterstützung für Hitlers Führer-Rolle. Im Folgemonat wird er als dänischer Staatsbürger Mitglied der „Nationalsozialistischen Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig“ (NSAN), einer Organisation der deutschen Volksgruppe im dänischen Grenzbereich, die im Jahr darauf durch die Gründung der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Nordschleswig“ (NSDAPN) gleichgeschaltet wird. Im November 1934 erscheint der zweite Band der Autobiographie „Jahre der Kämpfe“. Darin bezeichnet sich Nolde als Vorkämpfer gegen eine angeblich „jüdische“ Dominanz in der deutschen Kunstwelt, der er sich als Einzelgänger immer wieder ausgesetzt sah.
1937 werden von Nolde 1.052 Werke in deutschen Museen beschlagnahmt. In der kunstverachtenden Ausstellung „Entartete Kunst“ ist Nolde von allen Künstlern am stärksten vertreten. Seine Bilder werden als Verfallskunst an den Pranger gestellt. Den ihm erneut nahegelegten Rücktritt aus der Preußischen Akademie der Künste lehnt Nolde mit Verweis auf seine Parteimitgliedschaft ab. 1938 verfasst der Künstler mehrere anbiedernde Briefe, u.a. an Goebbels, um eine Rückgabe der aus seinem Privatbesitz beschlagnahmten Bilder zu erreichen. Dies gelingt; im Dezember erfolgt die Rückgabe der Werke und zudem sind auf den späteren Stationen der Ausstellung „Entartete Kunst“ keine seiner Werke, mehr zu sehen.
Nach einem Erlass des Reichskunstkammerpräsidenten Ziegler gegen die sogenannte „Verfallskunst“ befürchtet Nolde weitere Beschlagnahmungen und lagert ab April 1941 Werke bei Bekannten aus. Nolde muss im Juni dem „Ausschuß zur Begutachtung minderwertiger Kunsterzeugnisse“ der Reichskammer eine Auswahl von 4 Gemälden und 18 Aquarellen vorlegen. Im August 1941 wird Nolde aus der „Reichskunstkammer“ ausgeschlossen und erhält die Untersagung, sich auf jedem Gebiet der bildenden Künste beruflich sowie nebenberuflich zu betätigen; damit geht ein Verkaufs- und Ausstellungsverbot einher. Nolde verliert seinen Anspruch auf immer knapper werdendes Malmaterial; er hat Sorge, dass dieser Ausschluss ein „Malverbot“ bedeutet. Dennoch wendet sich Nolde nicht von den Nationalsozialisten ab, sondern hofft weiterhin auf eine Anerkennung seiner Kunst durch das nationalsozialistische Regime, mit dem er bis 1945 sympathisiert.
Am 20. November 1941 teilt die Reichskunstkammer Nolde mit, dass die zur Prüfung eingereichten Werke beschlagnahmt bleiben, und erinnert ihn an seine Pflicht, künftig seine Werke der Kammer vorzulegen, bevor er sie „der Öffentlichkeit übermittelt“. Nach Noldes juristischem Beistand, Hans Fehr, bedeutet dies, dass das „Malverbot“ des früheren Schreibens aufgehoben wurde. Von 1942 bis 1944 entstehen elf Blumengemälde sowie ein Figurenbild. Insbesondere aber malt Nolde zahlreiche kleinformatige Aquarelle, die er „Ungemalte Bilder“ oder auch „Bildskizzen“ nennt, da sie zur späteren Ausführung als Ölbild geplant sind.
Im Mai/ Mitte Juni 1942 fährt Nolde nach Wien. Das erhoffte Treffen mit Reichstatthalter von Schirach kommt nicht zustande, doch dieser verspricht, sich für Noldes Kunst einzusetzen. Eine Aufhebung oder Lockerung der gegen Nolde verhängten Maßnahmen erfolgt jedoch nicht. Im Februar 1944 wendet sich Nolde mit Verweis auf seine Parteimitgliedschaft an den neuernannten Direktor der Berliner Vereinigten Staatsschulen, Otto von Kursell, und bittet ihn vergeblich, sich für die Aufhebung des Berufsverbots einzusetzen.
Am 15. Februar 1944 zerstören Bomben Noldes Berliner Wohnung; etwa 3.000 Graphiken, Aquarelle und Zeichnungen sowie Werke von Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Kokoschka, Lyonel Feininger und Ernst Josephson gehen in Flammen auf.
1946–1955
Im August 1946 entlastet der Entnazifizierungsausschuss Kiel Nolde trotz Parteimitgliedschaft und interpretiert dabei die NS-Ablehnung von Noldes Kunst als „Absage gegen das Regime“. Es erfolgt die endgültige testamentarische Verfügung über die zukünftige Stiftung. Am 2. November 1946 stirbt Ada Nolde. Am 22. Februar 1948 heiratet Nolde ein zweites Mal: die 26-jährige Jolanthe Erdmann, Tochter des Komponisten und Pianisten Eduard Erdmann. Bis 1951 entstehen noch über 100 Gemälde, meist nach den kleinformatigen Aquarellen, bis 1955 unzählige Aquarelle. Nolde erhält zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, unter anderem die Stefan-Lochner-Medaille der Stadt Köln (1949), den Grafik-Preis der XXVI. Biennale von Venedig (1952) und den Orden Pour le mérite (1952). Er ist mehrfach auf der Biennale in Venedig vertreten (1950, 1952, 1956) und in Kassel auf der documenta 1955.
1956
Emil Nolde stirbt am 13. April in Seebüll. Die testamentarisch verfügte „Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde“ wird am 12. Juni 1956 als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts anerkannt. Wie von Nolde testamentarisch bestimmt, wird sein langjähriger Vertrauter Joachim von Lepel der Direktor. Die Stiftung hat den Auftrag, den umfangreichen Nachlass Emil Noldes in Seebüll im Sinne des Künstlers zu verwalten, sein Werk der Nachwelt zu erhalten und weltweit zu vermitteln. Die erste Jahresausstellung im Noldehaus eröffnet 1957.

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