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Nolde

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»Probst Vilstrup und Frau N.«, 1902
Öl auf Leinwand
84 × 65 cm

Nolde

Im Dezember 2016 konnte die Nolde Stiftung Seebüll ihre Sammlung erneut durch ein Gemälde bereichern: »Probst Vilstrup und Frau N.« aus dem Jahre 1902 ist das erste Ölbild, auf dem Nolde seine frisch angetraute Ehefrau Ada malt. Sie ist gemeinsam mit ihrem Onkel dargestellt, Probst Henrik Stompe Vilstrup.

Während eines Aufenthaltes in Kopenhagen im Herbst 1900 lernte Nolde die Schauspielerin Ada Vilstrup kennen. Schnell verliebte er sich in die zwölf Jahre jüngere Dänin »in ihrer reinen Schönheit, mit lichtem Sinn und offenen runden Augen«. Als Ada seine Gefühle erwiderte, konnte er sein Glück kaum fassen: »Wir beide wußten lange nicht, wie gern wir uns hatten. Ich konnte es nicht fassen und glauben, daß sie mich mochte, mich, den weltfernen sonderbaren Menschen und in Gärungen halbverkommenen Maler, der so ganz das Gegenteil war von einem Kavalier und Künstler, wie Frauen sie mögen. Daß dann dazu noch das schönste Mädchen, das ich innig verehrend höher stehen sah als alle, diejenige sein sollte, das konnte mir nur in wirren Träumen faßbar scheinen. […] daß ich mir sagen durfte, daß sie mich liebe – ich glaubte nicht mehr in einer wirklichen Welt zu leben.« Auf die Verlobung im Herbst 1901 folgte am 25. Februar 1902 die Trauung in der Kirche von Fredericksberg. Danach standen Besuche bei der Verwandtschaft an, so ging es auch nach Westjütland in die Ortschaft Borris »in das Pastorat des alten würdigen Probstes Vilstrup. Meine Ada entstammte als jüngste Tochter von 12 Geschwistern einem alten Pastorengeschlecht, zum schleswigschen Dorf Vilstrup zurückführend. […] Auch wir genossen die seltsame Schönheit und das ländlich gesunde Naturleben, wie es in den Pfarrhöfen sich gibt, verbunden mit temperierten Werten städtischer Kultur, Musik, Kunst und Wissen.«

Bei diesem Besuch entstand das Doppelporträt. Der ergraute Probst Vilstrup wird im dunklen Anzug mit weißem Hemd als Halbfigur dargestellt. An seine rechte Schulter schmiegt sich liebevoll die 23-jährige Ada. In inniger Vertrautheit halten sich beide an der rechten Hand. Der Ort bleibt unbestimmt, der Hintergrund ist in erdig grünen Tönen gehalten, die Köpfe der beiden werden jedoch durch ein von hinten einfallendes Binnenlicht hervorgehoben. Auffallend sind Kleid und Mantel von Ada, die skizzenhaft in zurückhaltend leuchtenden Blau- und Türkistönen gemalt sind, aber dennoch zu einem Lichtträger im Bild werden. Diese Auflösung der Form durch und in der Farbe ist eine der Errungenschaften des Impressionismus, die Nolde hier erstmals aufnimmt. Damit geht er in seiner Kunst einen wichtigen Entwicklungsschritt.

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