
"In Frauen innigstes Wesen mich einlebend..."
Nolde strebt nie danach, ein allgemeingültiges Bild der Frau zu finden oder ihr eine einzige Gestalt oder Rolle zuzuweisen. Vielmehr beschreibt er in unterschiedlichsten Zusammenhängen von mythologischen und religiösen Bildern bis hin zum klassischen Portrait Frauen in ihren unterschiedlichen Facetten und in ihrer spannungsreichen Ambivalenz. Die Ausstellung Bewundert, gefürchtet und begehrt - Emil Nolde malt die Frauen zeigt den Maler, wie er sich in Erfahrung und Phantasie, Zweifel und Erkenntnis, Furcht und Bewunderung mit der Frau künstlerisch auseinandersetzt. Noldes Frauen sind Mütter, Musen und Modelle, Ehefrauen und Tingel-Tangel-Mädchen, Engel und Dämonen, Heilige und Sünderinnen, Verführte und leidenschaftliche Verführerinnen.
Die Ausstellung gliedert sich in sieben Themengruppen: Die Anbetungswürdigen, Sagenhafte Frauen – Nolde und Böcklin, Das Verlorene Paradies, „Dämonische gestaltend“ – Nolde und Munch, Die Frage der Herrschaft, Gesichter der Ekstase und Lebensreife.
Hochrangige Leihgaben aus renommierten nationalen und internationalen Sammlungen eröffnen ausgewählte Einblicke in Frauendarstellungen in der Kunstgeschichte und intensivieren den Blick auf wesentliche Themenbereiche innerhalb des Noldeschen Werks: Historische Vergleiche mit Arnold Böcklin und mit seinen Zeit genossen Edvard Munch und Pablo Picasso zeigen Noldes genaue Kenntnis seines künstlerischen Umfelds, während die Vergleiche mit Andy Warhols ikonischer „Marilyn (rosa, gelb, braun)“ (1967) und Eric Fischls Gemälde „The Philosopher’s Chair“ (1999) die zeitlose Aktualität von Noldes Frauenbildnissen offenbaren.
In seinen Bildern verzichtet Nolde auf visuelle Komplexität, symbolischen Detailreichtum und szenische Hintergründe und erreicht somit eine außergewöhnliche Verdichtung von Inhalt und Form, von Bildaussage und malerischer Umsetzung. Nolde vermag den Gefühlsgehalt seiner Bilder derart zu intensivieren, daß sich seine Frauenbildnisse bis heute ihren Reiz und ihr Geheimnis bewahren.
Abb. oben: © 2010 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts / Artists Rights Society (ARS), New York


